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Jeder Mensch sammelt wohl irgendwas. Nur häufig ist er sich dessen gar nicht bewusst.
So kann ein Sammelgebiet auch etwas nicht im klassischen Sinn materiell Fassbares sein.
Als Beispiel kann ein Vielreisender die Länder sammeln, die er bereits bereist hat.
Mit stolzer Brust kann er dann jedem erzählen wo er schon überall war und so seine soziale Stellung innerhalb seines
Freundes- oder Bekanntenkreises festigen. Sportler dagegen sammeln z.B. Marathons.
So gibt es einen Club wo nur Mitglieder aufgenommen werden, die an über 100 Marathons teilgenommen haben.
Aber warum sammeln wir?
Ein nicht zu unterschätzender Grund liegt in unserem Unterbewusstsein und angeborenem Verhalten.
Nicht nur der Steinzeitmensch, sondern auch der Mensch in neueren vergangenen und auch noch gegenwärtigen
Krisen ist gezwungen, um sein Überleben zu kämpfen. Die beiden wichtigsten Überlebensstrategien sind dabei
der Sammel- und Jagdtrieb.
Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart
An erster Stelle steht der Jagdtrieb. Wenn der Steinzeitmensch was essen wollte,
musste er sich die Nahrung erjagen oder wenn es pflanzliche Nahrung sein sollte diese einsammeln,
was ja auch einer Art von Jagd gleich kam.
In Zeiten des Überflusses war es dann wichtig Nahrung zu horten also zu sammeln,
um in schlechteren Zeit was "zum Beißen" zu haben. Bei der Jagd fielen außerdem Nebenprodukte wie Felle,
Knochen usw. an. Die Felle dienten als Kleidung und die Knochen konnten für Werkzeuge gebraucht werden.
Werkzeuge und Waffen förderten also wieder die Überlebensstrategie.
Also wurden auch diese gesammelt und auch getauscht. Wer also viele verschiedene Werkzeuge und Waffen angesammelt hatte,
war im Vorteil. Als Medizin wurden Kräuter gesammelt usw. usw.
Wie dann der Ackerbau einsetzte, wurde diese Entwicklung immer weiter verstärkt.
Man sammelte die Ernte ein und lagerte diese als Sammlung für die Nahrung für den Rest des Jahres ein und
musste Saatgut für die Aussaat im nächsten Frühjahr aufheben.
Wer schön, stark und erfolgreich war, wenn er viel und auch besonderes und seltenes zum Überleben angesammelt hatte,
wurde geachtet und konnte sich so auch den gewünschten Partner für Leben und Weitergeben seiner Gene leichter aussuchen.
Für die Schönheit sorgte z.B. Schmuck, den der Mensch bald herstellte, als er nicht mehr seine ganze Zeit für
die Nahrungssuche aufwenden musste. Schmuck war ein Statussymbol, das Menschen, die viel davon hatten,
in ihrer Stellung innerhalb der Gesellschaft anhob.
Wer viel angesammelt hatte war reich und einflussreich. Wer heute viel Geld angesammelt,
also gesammelt hat, weiß das ebenfalls sehr zu schätzen. Die die weniger haben, blicken neidisch
zum Wohlhabenden auf und streben daher auch danach ebenfalls so viel oder besser noch mehr anzusammeln.
Sammeln als Statussymbol in der Gesellschaft
Wer sehr reich ist, hat eine vorteilhafte Stellung in der Gesellschaft und darf das auch in vollen Zügen auskosten.
Nun kann nicht jeder diesen Reichtum erreichen. Otto Normalbürger hat in der Regel gar keine Chance diese außergewöhnliche
Stellung jemals zu erlangen.
Aber auch er möchte irgendwo was "Besonderes" sein und sei es nur im Kleinen. Geld ist ja schließlich nicht alles.
Nun könnte er ja auch Prestige als Wissenschaftler, Autor, Politiker, Sportler etc. etc.
erreichen, aber auch das ist für ihn meist ein unerreichbares Ziel.
Warum also nicht woanders und einfacher eine außergewöhnliche Stellung erlangen?
Da ist das Sammeln durchaus ein erfolgsversprechender Weg. Also sammelt der eine ganz bestimmte Briefmarken
wie z.B. alle Ausgaben der Pazifikinsel Niue, die sonst kaum einer hat und kann auf diesem Gebiet eine
überragende Stellung einnehmen. Der andere sammelt irgendwelchen außergewöhnlichen Gegenstände wie z.B.
die verschiedensten Sorten von Tischtennisbällen, oder Sammlerpuppen zum Thema Hochzeit.
Wenn diese Sammler nun eine außergewöhnlich große und umfangreiche Sammlung oder ganz besonders seltene
Stücke auf ihrem Gebiet angesammelt haben, haben sie auch eine begehrte Stellung zumindest im Kreis der
gleichgesinnten Sammler erreicht und können so den Ruhm voll auskosten.
Sammeln als Jagdfieber
Bei den meisten Sammelgebieten gibt es besonders seltene Stücke, die jeder der Sammler des jeweiligen Gebietes erhaschen will.
Da werden keine Kosten und auch keine Zeit gescheut sich so ein Stück zu erjagen.
Klappt es dann einmal, vielleicht sogar ohne dass sich der Verkäufer der Seltenheit und Kostbarkeit der Rarität
voll bewusst ist, ist der Adrenalinstoß beim Sammler durchaus vergleichbar mit dem des Steinzeitmenschen,
wenn er dabei war ein Mammut zu erlegen.
Jeder Briefmarkensammler kennt das Gefühl, wenn er aus einer Groschenkiste eine bislang unerkannte Rarität herausfischt.
Besonders interessant ist dabei, dass wenn der Sammler seine "Jagdbeute erlegt" hat er diese ziemlich achtlos in seine
Sammlung ablegt und dann nicht mehr weiter beachtet. Er begibt sich stattdessen lieber erneut auf "Jagdzüge" ,
um das berauschende Jagdfieber weiterhin auszukosten. Bei größeren Ojekten spielt natürlich auch die Wohnungsgröße eines Sammlers keine unwesentliche Rolle mehr.
Sammeln als Wertanlage
Viele Sammler geben vor, um ihr Hobby gegenüber "uneinsichtigen" Außenstehenden wie Ehepartnern oder
auch Freunden zu legitimieren, das ganze nur unter Wertanlageaspekten zu betreiben.
Dies ist aber bei den allerwenigsten Sammlern der Grund warum sie sammeln, wenn gleich sie
dabei auch ihr eigenes Gewissen damit zu beruhigen versuchen.
Wird dann mal was verkauft, dann meist nur deshalb, um noch seltenere und teurere Stücke finanzieren zu können.
Abgesehen vom emotionalen Standpunkt können aber viele Sammelgebiete bei entsprechenden rationalen und objektiven
Strategien durchaus auch als Wertanlage gesehen werden. Das Durchstöbern einschlägiger Kleinanzeigen Plattformen kann sich hier durchaus als sehr hilfreich herausstellen.
Sammeln wegen der Ästhetik also der Schönheit der Sammelobjekte
Nicht alle aber viele Sammelobjekte sind einfach schön oder zumindest interessant.
Man denke an ein schönes Ölgemälde, eine herrliche Plastik, einen hübsch bemalter Teller,
einen wunderbarer Oldtimer, eine lustige Überraschungseifigur oder einfach an hübsche Briefmarken und Münzen.
Kurzum der Sammler, aber auch der Nichtsammler, kann sich am Anblick vieler Sammlungen erfreuen.
Wenn das nicht der Fall wäre würde auch keiner mehr ein Museum besuchen.
Viele Sammler kommen einfach zu ihrem Sammelgebiet indem sie sich erst einmal an der Schönheit eines Objektes erfreuen.
Wenn jemand in einem Cafe sitzt und ein hübsch bedrucktes Zuckertütchen gereicht bekommt,
kann es durchaus sein, dass er dem Sammeln von Zuckertütchen verfällt.
Sammeln aus Zeitvertreib dem Unterhaltungswert
Sammelgebiete helfen beim Zeitvertreib und dienen zur Unterhaltung.
Schön sind Sammelgegenstände, die einen Unterhaltungswert haben.
So kann der Bücher-, Romanheftchen- und Comicssammler seine gesammelten Werke lesen, der Schallplatten- und CD-Sammler
seine Werke hören, der Videosammler seine Filme angucken und der Computerspiele-Sammler seine Spiele auch spielen.
Sammeln zur Entspannung
Der Alltagsstress nimmt uns immer mehr in Anspruch. Die Beschäftigung mit der eigenen Sammlung kann entspannen.
So genießen viele Briefmarkensammler die beruhigende Wirkung Briefmarken zu sortieren oder die Marken
einfach zu betrachten und sich an der Schönheit und Ästhetik dieser kleinen Kunstwerke zu erfreuen.
Sammeln aus Gründen der Weiterbildung
Sammeln bildet. Wer sich ernsthaft mit einem Sammelgebiet befasst, muss informiert sein.
Da reicht häufig auch nicht nur das Wissen über das Sammelgebiet direkt aus sondern der Sammler muss auch
über das kulturelle, geschichtliche, geographische, technische, wissenschaftliche und evt. sogar auch soziologische
Umfeld seines Sammelgebietes Bescheid wissen.
Wer z.B. Biedermeier-Möbel sammelt muss genauso über das kulturelle, geschichtliche und geographische
Umfeld seines Gebietes Bescheid wissen wie z.B. auch der Sammler von alten Münzen und Briefmarken.
Der Sammler von Mineralien dagegen lernt viel im naturwissenschaftlichen Umfeld im Bereich der Geologie,
Mineralogie und auch Chemie.
So lernt der Sammler nicht nur viel spezifisches über sein Sammelgebiet,
sondern auch über das ganze Umfeld rund herum. Dies erweitert seinen Wissenshorizont und seine Allgemeinbildung.
Sammeln als Mittel zur Kommunikation und zu Kontakten mit Gleichgesinnten
Der Mensch ist ein ausgeprägtes soziales Wesen, der den Kontakt zu Gleichgesinnten regelrecht sucht.
In einer Gesellschaft, die jeden einzelnen immer mehr bedroht zu vereinsamen, ist das Sammeln eine
gute Möglichkeit Kontakte zu diesen zu finden.
Als Möglichkeiten kann man z.B. die Mitgliedschaft in einem Verein, den Besuch einer Börse oder
aber auch das Internet mit seinen fachspezifischen Newsgroups und Chats aufführen.
Dort wird überall über fachspezifische Themen diskutiert, "Experten" beantworten Fragen der "Laien"
und es wird auf einem Jahrmarkt getauscht und gehandelt. So entstehen dann auch häufig Freundschaften.
Sammeln macht also vieles aus, was der Mensch als soziales Wesen braucht.
Quelle: http://www.sammler.com
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