Schwule Lieder
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Schwule Lieder


(CDs/Oldies)



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Foto

  Alle Details zu diesem Sammelobjekt:
Status: PRÄSENTIERE
Titel: Schwule Lieder
Preis: - (Unverkäuflich)
Zuweisung: Haupt Sammelgebiet CDs     Sub Sammelgebiet Oldies
Kategorie: Album
Interpret: div.
 
Von Sammler: Skywise Rheinland-Pfalz Privatsammler
Privatsammler aus Rheinland-Pfalz
Sammler kontaktieren Email schicken
 
Infos: Doppel-CD
Gesamtzeit: 59:55 (CD 1), 59:33 (CD 2)
Trackanzahl: 20 (CD 1), 20 (CD 2)v Veröffentlichung: 2003
Best.-Nr.: 221324-311
Membran / TIM


CD 1
[01] Otto Reutter: Das Hirschfeld-Lied (Reutter) (4:47)
[02] Orchester mit Refraingesang: Das Lila Lied (Billing / Schwabach) (2:37)
[03] Willy Rosen: Das ist Berlin auf der Tauentzien (Rosen / Robitscheck) (3:05)
[04] Max Kuttner: Mein süßer heißgeliebter Iwan (Kálmán) (2:49)
[05] Paul O‘Montis: Was hast du für Gefühle, Moritz (Fall) (2:26)
[06] Luigi Bernauer: Küß mich, lieber Kohn (Blume) (2:53)
[07] Wilhelm Gombert: Mein Liebster muß Trompeter sein (May)(2:46)
[08] Leo Monosson: Lieber kleiner Eintänzer (Rosen) (2:47)
[09] Max Kuttner: Mein Fritz macht Winke-Winke (Straßmann) (2:48)
[10] Alexander Flesburg: Josef, Josef laß los (Lombardo / Faggon) (3:03)
[11] Luigi Bernauer: Eugen, ich möcht so gern mit dir ins Heu gehn (Krauss / Elka) (2:19)
[12] Leo Monosson: Zigeuner, du hast mein Herz gestohlen (Egen / Grothe) (3:17)
[13] Willy Weiss: Wenn du meine Tante siehst (Nelson) (3:09)
[14] Kurt Mühlhardt: Ferdinand, du bist so ungalant (Reisfeld) (2:51)
[15] Max Kuttner: Ich reiß mir eine Wimper aus (Raymond / Borchert) (2:25)
[16] Robert Koppel: Mein süßer Schatz, dein Saxophon (Perack) (2:47)
[17] Eric Helgar: So ein Jägersmann (Lander / Delmar) (2:36)
[18] Franz Hoffmann: Mein Schatz ist ein Matrose (Leopoldi) (2:53)
[19] Max Kuttner: Benjamin, ich hab nichts anzuziehn (Benes) (3:16)
[20] Orchester Marek Weber: Das Lila Lied (Billing / Schwabach) (3:31)


CD 2
[01] Hans Blädel: Neue Ofenrohr-Verse (Blädel) (2:43)
[02] Robert Koppel: Heinrich, wo greifst du denn hin (Fall) (2:44)
[03] Leo Monosson: Du lieber Geiger (Kaper) (3:11)
[04] Max Mensing: Süßer ... Süßer (Wiga) (2:56)
[05] Hans Grünhut: Wie sag ich‘s meinem Mann (Mackeben / Dosal) (3:02)
[06] The Two Jazzers: Ach Otto, Otto (Kaper) (2:52)
[07] Max Hansen: War‘n Sie schon mal in mich verliebt (Hansen) (3:31)
[08] Hans Reimann: Loblied auf die gute alte Zeit (Czibulka / Reimann) (2:52)
[09] Gustaf Gründgens: Die Clique (Blangini / Gründgens) (2:54)
[10] Paul O‘Montis: Ich bin verrückt nach Hilde (Stransky / Rebner) (2:32)
[11] Theo Lucas: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen (Profes / Gilbert) (2:29)
[12] Ernst Busch: Der Marsch ins Dritte Reich (Judge / Williams / Eisler / Brecht) (2:42)
[13] Fritz Steiner & Roxy Barsony: My Little Boy (Abraham / Grünwald / Löhner / Beda) (2:57)
[14] Orchester Dajos Bela: Sei meine Frau auf 24 Stunden [= "Das Lila Lied"] (Billing / Schwabach) (3:53)
[15] Claire Waldoff: Ach wie ich die Lena liebe (Profes / Gilbert) (2:50)
[16] Annemarie Hase: An allem sind die Juden schuld (Bizet / Yradir / Hollaender) (3:04)
[17] Lotte Lehmann: Wenn du einmal dein Herz verschenkst (Rosen / Schwabach) (2:39)
[18] Claire Waldoff: Hannelore (Profes / Hagen) (2:27)
[19] Fritzi Massary: Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben (Strauß / Grünewald) (3:12)
[20] Marlene Dietrich & Margo Lion: Wenn die beste Freundin (Spoliansky / Schiffer) (3:14)


Cover Design: D & H Hommage


Ein besonderer Dank geht an
Hella Schwarz
Schellackplatten-Versand



So, nachdem sich alle über den Titel und über das Cover ihre Gedanken gemacht haben, kommt nun die Aufklärung.
Was sich hinter den "Schwulen Liedern" verbirgt, ist weit eher ein Zeitdokument als ein echtes Bekenntnis. Die Lieder stammen in erster Linie aus den sogenannten "wilden 20ern", in denen es Mode war, daß die Frauen Bubikopf trugen, möglichst anrüchig oder aber sogar in Hosen herumliefen und rauchten, während viele Männer in der Nacht auch einmal Rouge und Lidschatten auflegten und in den buntesten Anzügen zu sehen waren. Das "Anders-Sein" war angesagt, egal, ob man tatsächlich dem eigenen Geschlecht eher zugetan war als dem anderen ... Die erste Schwulen-Bewegung war durch‘s Land gegangen und man zeigte sich auch in der Subkultur solidarisch mit ihnen - vielleicht, weil das "Schwule" immer noch als Tabu galt. Wollte man damals einem angesehenen Menschen ernstlich schaden, brauchte man nur an passender Stelle das Wörtchen "Homosexualität" mit ihm in Verbindung zu bringen, schon war er seinen Job los und in der Gesellschaft unten durch - selbst der Kriegsheld des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71, General von Moltke, sah sich plötzlich ausgebootet aufgrund derartiger Vorwürfe - und auf sexuelle Handlungen zwischen Männern stand immerhin noch der Knast.
Und so blühte in der Subkultur zwischen ca. 1910 und 1935 das "schwule Lied". Teilweise waren es (natürlich) Stücke, die für das andere Geschlecht geschrieben worden waren, aber eben auf möglichst tuntige bzw. rotzfreche Art interpretiert wurden. Andere Lieder waren wie ein mildes, verständnisvolles Lächeln für die "Anderen" oder sogar ein regelrechter Appell an die Obrigkeit, das "Schwule" auch öffentlich anzuerkennen. Wie sehr manche Schüsse nach hinten losgehen können, bekamen einige Künstler dann auch nach 1933 deutlich zu spüren - viele, die für die freie Liebe unter Schwulen / Lesben eintraten, bekamen später große Probleme mit den Nationalsozialisten (welche Konsequenzen das haben konnte, braucht an dieser Stelle hoffentlich nicht explizit gesagt zu werden).
Von Hochinteressant bis Urkomisch findet sich hier alles querbeet. Ein netter Sampler über ein Stück verdrängte Geschichte. Zwar nicht immer sehr ohrenfreundlich, aber durchaus lohnenswert.
 
Gespeichert: 28.02.2005
 
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