Mr. Shaitana lädt Hercule Poirot zu einer Cocktailparty ein. Dabei verspricht er ihm eine Gesellschaft so ganz nach dem Geschmack des Meisterdetektivs. Tatsächlich ist Poirot überrascht - neben der Krimi-Autorin Miss Oliver trifft er auf Colonel Race und Scotland-Yard-Inspector Battle. Dazu gesellen sich noch vier weitere Personen, die - so Mr. Shaitana - gerissene und daher nicht überführte Mörder seien. Tatsächlich scheint einer der Anwesenden nervös zu werden, denn noch vor Ende der Party stirbt der Gastgeber eines gewaltsamen Todes. Hercule Poirot fühlt sich in seiner Eitelkeit verletzt - einen Mörder, der direkt vor seiner Nase zuschlägt, kann er nicht so ohne weiteres laufen lassen. Und so durchleuchtet er die Vergangenheit der vier potentiellen Mörder, auf der Suche nach einem Motiv in der Gegenwart ...
"Mit offenen Karten" entstand Mitte der 30er Jahre, gewissermaßen in der Blütezeit von Hercule Poirot. Etwa im gleichen Zeitraum schrieb die "Queen of Crime" ihm Klassiker wie "Die Morde des Herrn ABC", "Mord in Mesopotamien" und "Tod auf dem Nil" auf den Leib. Die Idee zu diesem Krimi nahm sie selbst im "ABC"-Fall vorweg.
Eigentlich (eigentlich!) ist der Fall recht spannend zu lesen; vier Verdächtige, von denen jeder ein Motiv und eine Gelegenheit zum Mord gehabt hätte, dazu noch ein etwas undurchsichtig agierender Poirot, einzelne Puzzlesteinchen, die nach und nach an ihre Plätze fallen ... sicher, das Ende wirkt etwas konstruiert und verwirrend, aber Agatha Christie wollte wohl das Buch mit einem Paukenschlag beenden, daher die etwas sinnlose Action am Schluß. Gut, wenn auch nicht überragend, da einige Hinweise etwas stümperhaft versteckt wurden und trotz einer umfassenden Erklärung von Poirot einige lose Enden bleiben.
Klaus Dittmann hat als Sprecher jedoch mit einigen Problemen zu kämpfen. Das fängt mit einer etwas unschönen Übersetzung an, die einige grammatikalische Fehler aufweist und auch stilistisch nicht immer auf der sicheren Seite ist. Es folgt das Problem der Kürzungen. An einigen Stellen wurde der Rotstift etwas zu stark angesetzt, so daß einige Szenen etwas verkrampft wirken. Kommt noch hinzu, daß Klaus Dittmann bis auf wenige Ausnahmen den Personen keine eindeutige Redeweise zuordnet - eigentlich eher ein geringes Problem, allerdings merkt man bei einigen Dialogen einfach nicht, wer denn gerade am Reden ist, denn einleitende oder abschließende Nebensätze fehlen an entscheidenden Stellen. Und zu guter Letzt liest er den Roman irgendwie mit angezogener Handbremse. Obwohl der Mord bereits sehr früh im Buch geschieht, kommt an der jeweiligen Stelle kein Tempo auf, auch das abschließende Chaos übergeht er und zwischendurch hätte er auch hin und wieder ein paar Aufputschmittel vertragen können. Wenn er Battle ein wenig behäbiger spricht, ist das ja in Ordnung, aber wenn sich das auch auf seinen sonstigen Erzählstil und auch auf die Antworten von Hercule Poirot oder Miss Oliver auswirkt, dann fördert das nicht gerade die Spannung. Daß Klaus Dittmann wirklich glänzend lesen kann, sollte er zwei Jahre später innerhalb der Serie mit "Rendezvous mit einer Leiche" beweisen. Diese Lesung hier ist dagegen ganz bestimmt kein Empfehlungsschreiben.
Ein ordentlicher Christie-Roman, leider eher unterdurchschnittlich gelesen von Klaus Dittmann. Zur Vervollständigung der Sammlung ganz gut geeignet; alternativ an einem gemütlichen Nachmittag hören, an dem einen wirklich überhaupt nichts aufregen soll, so daß man eher zu einem Plätscher-Krimi greift ...