Mike Rogers führt ein recht unstetes Leben, wechselt ständig Berufe und Freundinnen, träumt aber von einem eigenen Haus und einem finanziell gesicherten Leben. Da tritt Ellie in sein Leben und krempelt es von Grund auf um. Innerhalb kürzester Zeit stehen die beiden vor dem Traualtar, und da sie - wie sie ihm kurz vor dem Ja-Wort eröffnet - eine der reichsten Frauen der USA ist, sorgt sie dafür, daß sein Traum von einem eigenen Haus rasch in Erfüllung geht. Doch dieses Haus wird auf einem Grundstück gebaut, das angeblich verflucht sein soll, und bereits am ersten Abend im gemeinsamen Eigenheim muß sich das Paar fragen, ob es an dieser Stelle tatsächlich erwünscht ist, als ein Stein durchs Fenster fliegt ...
"Endless Night", das in der deutschen Übersetzung unter dem ziemlich unpassenden Titel "Mord nach Maß" veröffentlicht wurde, stammt aus dem Jahr 1967 und gehört somit in das Alterswerk von Agatha Christie. Der Roman ist in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich, zumal er für einen Krimi eine sehr lange Anlaufzeit hat. Praktisch über zwei Drittel der gesamten Geschichte hätte es sich auch um einen schlichten Liebesroman handeln können, erst im letzten Teil zieht das Tempo deutlich an und offenbart dem Leser die vielen kleinen Hinweise, die die Autorin immer wieder dezent in Nebensätzen versteckt hat und die ihm das Ende der Geschichte bereits vorher hätten verraten können. Darüber hinaus wendet sie einen weiteren Kunstgriff aus einem ihrer früheren Romane erneut an, wenn auch diesmal in einer netten und beängstigenden Variation, und tätigt darüber hinaus einen kleinen Griff in ihre eigene Kurzgeschichtensammlung. Kennt man diese Eigen-Vorlagen nicht, hält "Mord nach Maß" einige gelungene Überraschungen für Leser bzw. Hörer bereit; falls man sie kennt, kommt man der Queen of Crime unter Umständen ziemlich schnell auf die Schliche, was einem zwar die Überraschung etwas verdirbt, aber auf der anderen Seite ganz interessant sein kann, da man dann der Handwerkerin Christie beim Verstecken der Hinweise besser auf die Finger schauen kann.
Peter Veit - bislang im Hörbuchbereich hauptsächlich als Sprecher von Sachbüchern aktiv gewesen - liefert mit "Mord nach Maß" eine sehr gute Leistung ab. Zwar hat er seine Probleme, wenn es darum geht, anderen Personen eine eigene Sprechweise zu verleihen, aber das kann man bei dieser Art Roman, bei der alles aus der Ich-Perspektive erzählt wird, auch gerne mal unter den Tisch fallen lassen - das haben andere Sprecher innerhalb der Reihe und auch bei anderen Hörbüchern ebenfalls getan, von daher befindet er sich hier in guter Gesellschaft. Im Gegenzug gelingt es ihm mit nur wenigen Mitteln, die Grundstimmung der jeweiligen Szene darzustellen - mal klingt er ausgesprochen gelöst, an anderer Stelle schwingt eine gewisse Düsternis mit. Besonders in den Szenen gegen Ende des Romans, bei denen einzelne Passagen vom einen ins andere Extrem umschlagen, beweist er seine Stärken.
Wenn man ein wenig Sitzfleisch mitbringt und damit leben kann, daß die ersten beiden CDs eher nach einem Liebesroman als nach einem Krimi klingen, der wird auf jeden Fall mit der dritten CD belohnt. Dazu noch ein ausgesucht guter Sprecher ... Kaufempfehlung.